Mitten in den Sommerferien 2011 wurde bekannt, dass die zum Krieger-Konzern gehörigen Firmen Möbel Kraft und Sconto (Discounter) auf dem Areal der Kleingartenvereine Prüner Schlag und Brunsrade am Westring in Kiel Möbelhäuser errichten wollen. Der Öffentlichkeit wurde weissgemacht, die Entscheidung für dieses Areal sei im Stadtplanungsamt getroffen worden nach Prüfung von 6 anderen möglichen, von der Stadt angebotenen Standorten, die alle nicht in Frage kämen. In einer gemeinsamen Ortsbeiratssitzung von Kiel-Mitte sowie Hasseldieksdamm im August wurde dann in Anwesenheit von 400 Kielern von Dr. George, dem Geschäftsführer von MK, klargestellt, dass nur dieser Standort wegen der “guten Lage” in Frage käme. Im September hat dann der Rat der Stadt Kiel mit den Stimmen der Mehrheitsfraktionen von SPD und Grünen beschlossen, die Ansiedlung entsprechend voranzutreiben. Wegen der wiederholt geäußerten Kritik zu mangelnder Transparenz und “Hauruckverfahrens” hat die Rathausverwaltung eine “gläserne Akte Möbel Kraft” angelegt, die aber ausschließlich die schon bekannten Ausschußsitzungsprotokolle u.ä. enthält.
Das ist die offizielle Version. Inzwischen wissen wir, dass die Stadt seit mindestens Sommer 2010 in Kontakt zu Möbel Kraft steht (Quelle: “Kontakte” in der Gläsernen Akte) und noch länger um einen Investor an dieser Stelle buhlt. Dass vorbei an der Öffentlichkeit Wirtschaftspolitik betrieben wird – ohne Rücksicht auf bestehenden Einzelhandel, Bürger und Umwelt.
Unmittelbar nach dem Bekanntwerden dieser Pläne hat sich unter Federführung der BUND-Kreisgruppe Kiel eine Arbeitsgruppe zum Thema Möbel Kraft gemeinsam mit interessierten Bürgern gebildet. Daraus resultierte noch vor der entschließenden Ratsversammlung ein Brief an die Ratsverordneten.
In der Ratsversammlung September 2011 wurde dann mit den Stimmen der Kooperation (Grüne und SPD sowie SSW) für eine Verfolgung dieser Pläne gestimmt inclusive vorzeitigem Verkauf an den Konzern. Begründet wurde letztere damit, dass die Kleingärtner so besser entschädigt würden. CDU und FDP waren ebenfalls für eine Ansiedlung, aber ohne vorzeitigen Verkauf. Linke, Direkte Demokratie und der NPD-Abgeordnete stimmten dagegen. (Ratsbeschluss), (Zusatzbeschluss)
Nach dem Zeitablaufschema (Stand November 11 und März`12) sollte schon bald ein Bauplan von Möbel Kraft vorgelegt werden. Dieses verzögerte sich aber ebenso wie damit verbunden die Beauftragung von Gutachten. Auch der Kaufvertrag, der angeblich (KN Dezember 2011) kurz vor dem Abschluss stand, wurde erst Ende März unterzeichnet und im Mai 2012 nachträglich von der Ratsversammlung genehmigt. Damit gehört seit dem 1. Juni 2012 der Krieger Immobilien GmbH das gesammte Gelände mit der Nutzungsauflage Kleingärten.
Seit Ende April 2012 gibt es 10km entfernt in Schwentinetal/Raisdorf eine Scontofiliale.
Im Juni 2012 begannen die Schätzungen der Parzellen verbunden mit der Offerte durch Möbel Kraft, bei Selbstkündigung spätestens zum Ende 2013 einen 25%igen Bonus zu erhalten. Kündigungen liegen Anfang September 2012 für ca. 30% der Parzellen vor. Gleichzeitig mehren sich Berichte über sehr professionell durchgeführte Einbrüche und Vandalismus.
Der Öffentlichkeit ist seit Abschluss des Kaufvertrages kein Detail des Bauplans zugängig gemacht worden, der dem Kaufvertrag zufolge spätestens einen Monat nach Besitzerwechsel vorliegen sollte. Gutachten sollen aber beauftragt worden sein.
Verbunden mit de Ratsbeschluss vom September 2011 war die Einrichtung eines Kleingartenbeirates, zu dem initial der betroffene Kleingartenverein nicht eingeladen worden war. Aufgrund gezielter Indiskretion doch anwesend nimmt er jedoch an den bisherigen Sitzungen mit Stimmrecht teil. Dabei sind aber keine betroffenen Pächter (der Verein betreut eine Vielzahl von Koppeln). Die Anwohner wurden bisher nicht eingeladen. Die Sitzungen sind nicht öffentlich, die Protokolle, wie wir von Teilnehmern erfahren haben, lückenhaft. Die Beiratsprotokolle sind z.Zt die letzte Informationsquelle zum Thema in der Gläsernen Akte. (Protokoll Februar) (Protokoll Juni).
Die BUND-Kreisgruppe hat das bisherige Geschehen zeitnah mit mehreren Presserklärungen begleitet; diese fanden, wenn überhaupt, nur bruchstückhaft Beachtung in der KN. (Hier zu den vollständige Fassungen)
(Stand 7.9.12)
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Dieses Gelände soll Möbel Kraft, Sconto und riesigen Parkplatzflächen weichen!
