Krieger-Konzern

Dem Berliner Möbelhaendler Kurt Krieger (geschätztes Vermoegen: 600 Millionen  EUR) gehören die Unternehmen Höffner, Sconto und Möbel-Kraft. Möbel-Kraft wurde 2004 eigentlich nur zu 50 % von Krieger uebernommen, jedoch scheint die Familie Kraft kaum noch mitzureden; bereits zu der ersten öffentlichen Vorstellung der Pläne Kriegers für den Umbau von Möbel-Kraft waren die Krafts gar nicht eingeladen.

Zu Höffner gehoeren 18 Häuser, zu Sconto 28 Häuser (8 davon in Tschechien, 2 in Slowakien) und zu Möbel-Kraft 7 Häuser. Darin enthalten sind die 9 Häuser der in Gründau-Lieblos  ansässigen Kette Möbel Walther AG, die Krieger 2001 übernommen hatte.

***Lübeck Genin

Kurt Krieger übernahm im Sommer 2011 die Hälfte eines 162.000 qm großen Areals und kündigte Investitionen in Höhe von 70 Mio. Euro an. Ein Möbel Höffner sollte dort entstehen, Stichtag zur Eröffnung war der 1.4.13 – nichts geschah. Im Sommer wurde dann die Vertragsstrafe in Höhe von 4,6 Mill € fällig… (zum Link der LN).

Laut Kaufvertrag mit der Stadt Kiel hat Krieger hier deutlich länger Zeit, die Vertragsstrafe ist deutlich niedriger, obwohl das Gelände größer ist.

*** zum Thema Eidelstedt

Im August 2011 wurde das Hoeffner-Haus in Eidelstedt bei Hamburg eroeffnet, nach einer 16-jährigen Planungsphase. Grund fuer diese extrem lange Zeit war der Widerstand von Bezirkspolitikern und Anwohnern, die ein Verkehrschaos sowie den Verlust eines Landschaftsschutzgebiets fürchteten. Sie gründeten die Bürgerinitiative „Rettet Eidelstedt“, deren Sprecher Fred Sommer, Elke Karsties, Bernd Plath und Reinhard Hauswirth waren.

Ein Zitat aus den Stellungsnahmen der Bürgerinitiative:
Der Gebäudekomplex Möbel-Höffner ist der größte Gewerbebau, der jemals in Hamburg außerhalb eines geschlossenen Industriegebietes in unmittelbarer Nachbarschaft und Umgebung von Wohnnutzung errichtet werden soll. Diese Megastruktur sprengt jedes Maß der vorhandenen Gebäude- und Nutzungsstrukturen entlang der Holsteiner Chaussee.

Nachdem aber schliesslich doch eine Baugenehmigung erteilt worden war, löste sich die BI auf. Krieger hatte Zugeständnisse gemacht: Er zahlte für die Verkehrserschließung, die Verkaufsfläche wurde verkleinert, ökologische Elemente eingeplant. Nach Angaben des Konzerns soll das Möbelhaus nun das grünste in ganz Deutschland sein. Auf dem Dach produziert eine Solaranlage Strom. Im Jahresschnitt liegt der Energieverbrauch um 45 % unter dem anderer Höffner-Häuser; 60 % des eigenen Energiebedarfes will man selbst produzieren.

*** zum Thema Grunewald

In Berlin plant Krieger derzeit zwei neue Haeuser, eines in Pankow und eines in Grunewald. Gegen beide hat sich Widerstand formiert; in den Berichten der Presse darueber scheinen mir beide Bauvorhaben manchmal verwechselt zu werden. In Grunewald hat Krieger bereits ein ehemaliges Gueterbahnhofsgelaende erworben, es besteht aber noch keine Baugenehmigung. Teile der vorhandenen Bebauung sind denkmalgeschuetzt. Dennoch werden offensichtlich bereits Maßnahmen zur Vorbereitung eines irgendwann doch möglichen Baubeginns getroffen; so wurden und werden Mietverträge gekündigt und Mieter durch Prämien zur Kündigung gedrängt, es finden Aufräumarbeiten statt, Bauzäune werden aufgestellt und weitere Maßnahmen ganz im Sinne eines Bauplatzes getroffen.

Im Berliner Senat gibt es derzeit keine Zustimmung zu dem Projekt: Die Senatsstrategie sieht vor, bestehende Einkaufszentren weiterzuentwickeln, aber keine neuen entstehen zu lassen. Das führe zu einer „Kannibalisierung der Standorte“ . Anwohner haben die Bürgerinitiative „Zwischen den Gleisen“ gegruendet, deren Sprecher sind Christoph Flötotto, Falk von Moers und Klaus Kiel.
Ansprechpartner für die BI ist: Vorstand@siedlerverein-eichkamp.de

Siehe auch: http://eichkamp.twoday.net/topics/Möbel+Höffner/

Ein Zitat aus den Stellungsnahmen der Bürgerinitiative:
Die Akteure der Bürgerinitiative stellen sich auf einen langfristigen Kampf ein, dieses monströse Projekt durch aufmerksame Beobachtung und Information der Bürger zu verhindern.

Am 2.11.12 ist in der TAZ von einem aktuellen Werkstattverfahren zum Pankower Güterbahnhof zu lesen. Dort möchte sich Kurt Krieger mit seinen Wunschplänen viel Einzelhandel neben seinem Höffner durchsetzen:“ Ein ganz anderer Vorschlag kommt dagegen von Kirchners grünem Baukollegen im Abgeordnetenhaus, Andreas Otto. „Berlin kauft das Grundstück, lässt es entwickeln, und aus den Verkaufserlösen der Einzelgrundstücke erfolgt die Refinanzierung von Kaufpreis und Erschließungskosten“, forderte Otto, nachdem er den Verlauf des Bürgergesprächs verfolgt hatte. Darin hatte Krieger nämlich gedroht, das Gelände verkaufen zu wollen, falls es vom Senat als „städtebauliches Entwicklungsgebiet“ ausgewiesen werde.“ Mehr

Am 29.5.13 vermeldet die Berliner Tageszeitung, dass das Projekt in Grunewald nach Angaben Kriegers eingestellt wird, da man sich auf das Pankower Tor konzentrieren wolle (link)

*** zum Thema Duisburg

In Duisburg plant Krieger ein Moebelhaus auf dem Gelaende des ehemaligen Güterbahnhofs (bekannt geworden durch die Love-Parade-Katastrophe); er will darueber hinaus weitere Buero- und Gewerbegebaeude und Parkanlagen finanzieren.
Bei einem Besuch in den Ratsfraktionen im Februar 2011 machte Krieger deutlich, wie sehr er sich über den Ratsbeschluss im Januar geärgert hat. Der Rat hatte da die Weichen dafür gestellt, dass dem kleineren
Mitbewerber Ostermann im Duisburger Norden Planungsrecht für das ehemalige Zeus-Gelände eingeräumt wurde, während Krieger noch immer in der Luft hängt. Alle Fraktionen zeigten sich verwundert darüber, dass Krieger die Konkurrenz des kleineren Ostermann offenbar so sehr fürchtet. Vor allem bestand Unverständnis, weil Krieger im Vorfeld zu keinem Zeitpunkt seine Investition an die Bedingung geknüpft haben soll, dass kein Mitbewerber in seiner Nähe antreten darf. Dass er angekündigt hat, sich zurückzuziehen und im Zweifel das Grundstück über Jahre ungenutzt liegenzulassen, wurde von der SPD bereits als möglicher Erpressungsversuch gewertet.

Update 2012: Kurt Krieger kann sein Möbelzentrum auf der „Duisburger Freiheit“, dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände, mit rund 52000 Quadratmetern Verkaufsfläche und bis zu 20 Prozent zentrenrelevantem Randsortinent – sprich Waren, die auch in der Innenstadt angeboten werden – realisieren. Die Bezirksregierung hat die von der Stadt Duisburg beantragte Änderung des entsprechenden Flächennutzungsplans – zähneknirschend – genehmigt.

Zwar sieht die BR die geplante Größenordnung des Randsortiments ebenso kritisch wie beispielsweise die IHK, teilt die Befürchtungen vieler Kritiker, dass es dadurch zu negativen Auswirkungen auf die City kommen kann. Rein rechtlich aber seien die Pläne der Stadt nicht zu beanstanden, da der Ratsbeschluss vom 26. März 2012 zeitlich vor dem Kabinettsbeschluss vom 17. April 2012 erfolgt sei, in dem die Landesregierung Regeln zur Stärkung und zum Schutz der Innenstädte aufgestellt hat. Quelle : Lokalkompass.de/Duisburg

Update 11/2013: Die Waz berichtet am 7.1013:

Aus Duisburger Sicht sind zwar alle baurechtlichen Voraussetzungene erfüllt – seit Juni liegt die Baugenehmigung für das 120-Millionen-Projekt auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände vor, doch es hakte an dem Planfeststellungsverfahren für die neue, zusätzliche A 59-Anschlussstelle Hochfeld auf das Freiheit-Gelände, die Kurt Krieger bauen will. Die Entscheidung darüber liegt derzeit noch bei der Bezirksregierung in Düsseldorf. stattdessen soll nun erst in Neuss gebaut werden- link

*** in Neuss:

Dort hatte Krieger im Sommer den Zuschlag für ein 65.000 qm großes Areal erhalten. Auf dem Gelände will Krieger – genau wie in Duisburg – einen Höffner-Möbelmarkt mit 45.000 qm Verkaufsfläche errichten. Bei rund einjähriger Bauzeit ist die geplante Eröffnung in Neuss Weihnachten 2014 greifbar.

*** zum Thema Hanau

Im Juni 2005 wurde Möbel Erbe, mit Häusern in Hanau und Schkeuditz (25.000 qm), ueberraschend an Krieger verkauft. Thomas Erbe sagte der Presse, dass der Eigentümerwechsel keine Kündigungen für die Mitarbeiter mit sich bringe. „Hierfür sehe ich mich persönlich verantwortlich.“ Nur drei Wochen nach der Übernahme von Möbel Erbe durch die Familie Krieger hat Sonja Krieger (Tochter von Kurt Krieger) auf einer Betriebsversammlung bekanntgegeben, dass das Haus in Schkeuditz geschlossen werden soll; als
Gründe für die Schließung nannte sie: „katastrophale wirtschaftliche Lage sowie externe und interne Bedingungen“; das hätte sie so vorher nicht einschätzen können. Keiner der 120 Mitarbeiter wurde bei Höffner im Saalepark oder Möbel Walther in Taucha übernommen.

Eine weitere Woche spaeter wurde bekanntgegeben, dass auch der Standort Hanau (230 Mitarbeiter)  geschlossen werden soll. Die wirtschaftliche Situation lasse keine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs zu.
http://www.moebelkultur.de fragt dazu: „Warum hat die Höffner-Gruppe das Unternehmen Erbe überhaupt übernommen? Einfach nur um einen Mitbewerber platt zu machen?

Heute verkauft in einem Teil der ehemaligen Erbe-Gebäude ein zur Krieger-Gruppe gehörender Sconto SB Markt Möbel. Pläne Kriegers zur Nutzung des Erbe-Hauptgebäudes scheitern bisher in einem Streit mit der Stadt um Sortimente. Der Unternehmer stellte aus Verärgerung über die Stadt, die eine Ausweitung der Sortimentsliste über den Möbelhandel hinaus ablehnte, weitere Planungen für das Grundstück ein. Das einst imposante Hauptgebäude mit seiner Glaskuppel verfällt seitdem und gilt in Steinheim als Schandfleck.

*** zum Thema Neu-Ulm

In Neu-Ulm bestand in einem Einkaufszentrum in der Borsigstrasse ein Moebelmarkt von Moebel Mutschler, der 1997 von Moebel Walther uebernommen wurde. 2001 wurde Moebel Walther von Höffner geschluckt. 2003 wurde versucht, die Beendigung des Mietvertrages für den in dem Einkaufszentrum gelegenen Moebelmarkt durch Einstellung des Verkaufes wegen angeblicher Sicherheitsmängel am Gebäude zu erzwingen; das Landgericht Memmingen erzwang aber die Wiederaufnahme des Betriebes.

2004 handelte das Unternehmen Walther (als Liegenschaftsunternehmen, also de facto die Krieger-Gruppe) mit der im Eigentum des Landes Berlin stehenden Betreibergesellschaft des Zentrums eine vorzeitige Beendigung des bis 2016 laufenden Mietvertrages aus. Dabei drohte das Unternehmen damit, in Insolvenz zu gehen, um die Auflösung des Mietvertrages zu erzwingen. Die Staatsanwaltschaft Berlin nahm 2010 Ermittlungen auf, da tatsächlich nie die Gefahr einer Insolvenz bestanden hätte. Dem Land Berlin entstand durch die vorzeitige Kündigung ein Schaden von 97 Mio €, da sich das betroffene Einkaufszentrum von der Schliessung des Moebelmarktes nicht wieder erholt hat. (Quelle: Wikipedia)

Advertisements