Verkehrsgutachten zur Ansiedlung des Möbelzentrums am Westring

Auch das Verkehrsgutachten liegt seit Mitte Mai 13 vor. Dabei wurde die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Straßen/Knotenpunkte zwischen Saarbrückenstraße und Hasseldieksdammer Weg untersucht. Zahlen für die heutigen Verkehrsflüsse wurden aufgrund von Verkehrszählungen an einzelnen Knotenpunkten Ende August sowie anhand von Lichtschrankenauszählungen an den Knotenpunkten an einem Novembertag gemacht. In der Prognose werden zum einen Verkehrszuwächse genereller Art bis 2030 mit 5% angegeben, zum anderen werden auch zusätzlich prognostizierte Kundenströme zum geplanten Möbelzentrum herangezogen. Diese ergeben sich aus Vergleichszahlen ähnlich großer Möbelhäuser des gleichen Konzerns, die dieser zur Verfügung gestellt hat. Die Auswertung umfasst 2 Szenarien: zum einen den jetzigen Straßenbestand, zum anderen die Möglichkeit eines zusätzlichen Anschlusses an den Mühlenwegdamm. Zusammenfassend kommen die Gutachten zu folgendem Schluss (S.60):. Das bestehende Verkehrsnetz ist in der Lage, die Verkehre der geplanten Möbelhäuser langfristig (…) in einer für diese hochbelastete Lage ausreichenden Qualität zu bewältigen .

Aus unserer Sicht ergeben sich folgende Kritikpunkte bzw. Fragestellungen an das Gutachten:

Zur Berechnung der prognostizierten PKW-Besuchszahlen werden Barbüttel, Eidelstedt und Buchholz, nicht aber Bad Segeberg mit deutlich höheren Zahlen herangezogen. Dies wird mit dem Sonderstaus von Bad Segeberg als einem der umsatzstärksten Möbelhäuser Deutschlands begründet (S.23). Umgekehrt bescheinigt das CIMA-Gutachten Ikea Kiel bei relativ geringer Größe einen leistungsstarken Standort mit hoher Flächenproduktivität. (S.26, CIMA). Anders als in o.g. Referenzstandorten liegt mit Möbel Brügge in Neumünster (S. 34) – im Unterschied zu den anderen Vergleichsstandorten – nur ein Möbelhaus mit ähnlichem Sortiment in der 30km Zone, so dass das CIMA-Gutachten sogar (S.43) von erheblichen Kundenströmen von Kiel nach Bad Segeberg, weniger Kaltenkirchen (Dodenhof), spricht. Trotzdem (S.25):

Entsprechend der mündlichen Aussage des Stadtplanungsamtes zum Stand des sich in der Bearbeitung befindenden Einzelhandelsgutachtens wird für Möbel Kraft ein Einzugsbereich mit einem Radius von ca. 40 km berücksichtigt

Das Kundenpotential dürfte sich jedoch – ähnlich wie bei Ikea auch – deutlich darüber hinaus v.a. nach Westen und Norden erstrecken. Die angenommen Zahlen erscheinen daher zu niedrig. Dazu kommt, dass die Zahlen vom Investor selber kommen, und der hatte (im Ratsbeschluss vom 29.9.11 nachzulesen, S.2) mit 2500 Autos wochentags und 5000 Autos wochenends gerechnet, die jetzt angenommenen Zahlen liegen bei 3788/werktags, 5334 sonnabends (im Vergleich dazu: Ikea 6983 werktags, 9928 sonnabends).

Bei der Berechnung der Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte werden folgende Kriterien angewandt: (S.37)

Qualitätsstufe „D“ mit einer Wartezeit von ≤ 70 s bei Knotenpunkten mit Lichtsignalanlage als höchstens zulässige Verkehrsqualität

Die Qualitätsstufe „E“ mit einer Wartezeit von ≤ 100 s Übergangsbereich zu einer nicht mehr ausreichenden Leistungsfähigkeit dar.

Wir greifen jetzt die beiden problematischen Knotenpunkte heraus (Prognose ohne neuen Anschluss Mühlenwegdamm, S.40):

Knotenpunkt Bundesautobahn BAB 215 / Westring (K 10) / Schützenwall (L 325)

Bereits im Analysejahr 2012 weist der Knotenpunkt mit einer Qualitätsstufe „E“ bei einer größten mittleren Wartezeit von 70,8 s eine geringfügige Überschreitung der maximal anzustrebenden Wartezeit von 70 s auf. Zur Status-quo-Prognose 2030 steigt die größte mittlere Wartezeit unter Erhalt der Qualitätsstufe „E“ weiter auf 78,2 s an. Im Planfall 2030 tritt mit 78,2 s keine weitere Veränderung der größten mittleren Wartezeit auf. Maßgebender Verkehrsstrom ist hier jeweils der Linksabbieger aus dem südlichen Westring (K 10) zur Bundesautobahn BAB 215.

Auf S.27 wird in diesem Bereich ein durch das Vorhaben zusätzlich generiertes PKW-Aufkommen von +3200/Autos/24h prognostiziert. Es bleibt unklar, wieso hier keine deutliche Verschlechterung angenommen wird.

Knotenpunkt Westring (K 10) / Saarbrückenstraße

Bereits im Analysejahr 2012 weist der Knotenpunkt mit einer Qualitätsstufe „E“ bei einer größten mittleren Wartezeit von 70,2 s eine geringfügige Überschreitung der maximal anzustrebenden Wartezeit von 70 s auf. Zur Status-quo-Prognose 2030 steigt die größte mittlere Wartezeit unter Erhalt der Qualitätsstufe „E“ weiter auf 77,6 s an. Im Planfall 2030 steigt die größte mittlere Wartezeit weiter auf 99,4 s aufgrund des zusätzlichen Zielverkehres aus der südlichen Bundesstraße B 76. Zur Spitzenverkehrszeit erfolgt der Verkehr des Geradeausstromes daher mit zweimaligem Vorrücken. Der rechnerische Rückstau des genannten Stromes beträgt 17 Pkw-Einheiten (102 m) und kann im vorhandenen Stauraum aufgenommen werden.

Auf S. 27 wird in diesem Bereich von einem Plus von 1100Autos/24h ausgegangen. Eine hier leicht nach oben geänderte PKW-Zahl würde hier einen Wert von >100 s entstehen lassen, der automatisch zur Kategorie F: ungenügend führen würde.

Das Fazit lautet dennoch (S.41):

Der geplante neue Knotenpunkt Westring (K 10) / Zufahrt Möbel Kraft / RBZ kann leistungsfähig hergestellt werden. Die Leistungsfähigkeiten der Knotenpunkte Westring (K 10) / Hasseldieksdammer Weg (K 2) und Westring (K 10) / Zufahrt IKEA werden durch die Entwicklung der beiden geplanten Möbelmärkte nicht eingeschränkt. An den verkehrlich starkbelasteten Knotenpunkten Bundesautobahn BAB 215 / Westring (K 10) / Schützenwall (L 325) und Knotenpunkt Westring (K 10) / Saarbrückenstraße treten rechnerisch bereits heute sowie auch zukünftig erhöhte Wartezeiten zur nachmittäglichen Spitzenstunde auf. Es kommt jedoch durch ausreichend dimensionierten Stauraum im Analysefall 2012 sowie auch im Planfall 2030 zu keiner Überstauung von benachbarten Knotenpunkten, sodass der Verkehrsfluss grundsätzlich noch erhalten bleibt.

 

Wohlgemerkt: Die Qualitätsstufe „E“ mit einer Wartezeit von (>70;)  ≤ 100 s Übergangsbereich zu einer nicht mehr ausreichenden Leistungsfähigkeit dar

 

Zusammenfassend ist dies eine rein verkehrstechnische Betrachtuung des Problems, unabhängig davon, ob im betroffenen Gebiet ein reine Gewerbeansiedlung besteht oder ein Wohnviertel (z.B. Hochhäuser Lüdemannstraße am Westring). Zudem würde die schon heute schlechte Luftqualität (INSEKK) in dem Gebiet nicht nur unter dem vermehrten Verkehrsaufkommen sondern zusätzlich unter der Vernichtung eines erheblichen Teils des Grüns auf dem Gelände leiden. Insbesondere ist da auch der Grünzug am Westring mit höherem Baumbestand zu nennen, der nach dem heutigen Stand der Planungen wegfallen soll.

Da die Zahlen u.E. nach zu niedrig angenommen sind und schon jetzt sehr dicht am Kategorie F (= ungenügend) liegen, müsste das Fazit eigentlich lauten: Ohne einen zusätzlichen Anschluss an den Mühlenwegdamm ist die verkehrstechnische Anbindung nicht ausreichend.

Hier geht es zum Gutachten.

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