Einzelhandelszentren in der Peripherie

Albig: Einzelhandel auf der Grünen Wiese schadet Innenstadt nicht

Diese Aussage bezieht sich auf Dodenhof; es ist zu vermuten, dass die Ansichten im Bezug auf Möbel Kraft und Kieler Innenstadt ähnlich sein dürften. Deswegen hier die Auseinandersetzung mit dieser Aussage

Dodenhof betreibt in Kaltenkirchen neben ein kombiniertes Möbel- (40.000qm) und Bekleidungs (8.900 qm)-Haus. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte Erweiterungspläne mit einem Plus von 6.500 qm für Möbel, 7.759 qm für Mode und neuen 5.000 qm für Elektroartikel mit der Begründung abgelehnt, dass große, zentrenrelevante Sortimente nicht in kleine Mittelzentren wie Kaltenkirchen gehörten. Diese Erweiterung würde gegen die Landesraumordnung verstoßen. Inzwischen gibt es unter der neuen rot-grünen Landesregierung einen erneuten Vorstoß von Dodenhof – jetzt geht es „nur“ noch um 12.000 qm mit deutlich weniger Elektrogeräten. Der MP und ehemalige OB von Kiel, Thorsten Albig, der ja bekanntermaßen die Kontakte der LH zu Möbel Kraft hergestellt hat, zeigte nun im Rahmen eines Bürgergespräches am 15.2.13  ganz neue Aspekte auf, die z.B. von der IHK Kiel schon als Zustimmung für Dodenhof gewertet werden.

Die Zitate im Folgenden stammen aus dem Hamburger Abendblatt vom 16.2.13

Albig widersprach beispielsweise der Behauptung, dass der Einzelhandel in den Innenstädten der Region gerettet sei, wenn Dodenhof nicht wachse. *Die Konsumwelt sein viel komplexer, sodass sich eine andere Frage stelle: „Gibt es kein Dodenhof, dann wachsen die Läden vor Ort – oder wächst Zalando?“ Außerdem müsse bei einer Entscheidung das „vernünftige Unternehmensinteresse“ von Dodenhof berücksichtigt werden. Torsten Albig plädierte für einen „verantwortungsvollen Umgang“ mit einem Unternehmen, das investieren wolle.  …. Außerdem wünsche er sich „differenziertere Antworten“ der Industrie- und Handelskammer, die am Tag vor der Veranstaltung in Kaltenkirchen von einer Durchlöcherung des Landesentwicklungsplans und einem Ausbluten der Innenstädte für den Fall einer Dodenhof-Erweiterung gesprochen hatte.

Im Zusammenhang mit der geplanten Ansiedlung von Möbel Kraft muss befürchtet werden, dass diese neue Richtung der Argumentation versucht, bestehende Einzelhandelsgutachten und Konzepte wie CIMA, INSEKK, die alle zentrenrelevante Sortimente im Umkreis der Innenstadt Kiels deutlich einschränken wollen, unglaubwürdig zu machen.

Es gibt jedoch ernsthafte Untersuchungen zu diesen Themen, die z.B. von Dr. Monika Walther, Uni Hamburg durchgeführte DSSW-Studie mit Einbeziehung von 50 Städten Deutschlands durchgeführt wurde und zum Schluss kommt, dass bei einer guten Einzelhandelsausstattung der Innenstadt diese zu Schaden kommt. Eine ausführliche Präsentation der Ergebnisse durch die Autorin findet sich hier.

Überhaupt kommen quer durch die Republik Kommentatoren immer wieder zu dem Ergebnis, Shopping-Center  beeinflussen in aller Regel den Handel und das Leben des historischen Zentrums negativ. ]Da größere Verkaufsflächen die Kaufkraft nicht vergrößern, verteilen die Umsätze sich neu. In der Regel verliert der lokale Einzelhandel seine Funktion zugunsten der in hohem Maße ortsfremden, meist international agierenden Großfilialisten auf den neuen Flächen. Die von eingesessenen Konsumenten nurmehr schwach frequentierten historischen Zentren nehmen Angebote minderen Werts auf. Eingesessene Gastronomie und Einzelhandel müssen schließen. Es entsteht ein Leerstandsproblem. Aus Wikipedia City Galerie Augsburg-dort auch Quellenangaben zu den Zitaten.

Aus dem CIMA, S.59

Von Bedeutung ist im Zusammenhang zur Innenstadtentwicklung insbesondere die Einzelhandelsentwicklung an den nicht-integrierten Standorten CITTI-Park, IKEA und Plaza-Center. Obwohl sich innerhalb dieser Agglomerationen lediglich 5,3 % der gesamten Einzelhandelsbetriebe der Stadt Kiel befinden, erwirtschaften diese einen Umsatzanteil, der mit 19,9 % nur knapp unter dem Umsatz der Innenstadt liegt. Hier wird die Konkurrenz zwischen Innenstadt und den nicht-integrierten Standorten deutlich sicht-Interessanterweise klagt die Stadt Kiel ja auch gegen die Erweiterung des Ostseeparkes in Schwentinetal.

Der Frage, ob Dodenhof (=Einkaufszentrum) eine Stadt vor dem wachsenden Internethandel (=Zalando) schützt geht eine Langzeituntersuchung aus Jena nach:

Kann sich die Jenaer Innenstadt gegenüber der wachsenden Konkurrenz aus dem Umland behaupten? Gelingt es Erfurt, die Einzelhandelskunden aus Jena abzuwerben? In welchem Ausmaß stellt der Handel im Internet eine Bedrohung für die lokalen Geschäfte dar? Zu diesen und anderen Fragen werden mehr als 2.000 Passanten in den Hauptgeschäftsstraßen der Jenaer Innenstadt sowie Kunden der Goethe Galerie und der Neuen Mitte interviewt. Dies ist Teil einer wissenschaftlichen Langzeitstudie zum Einkaufsverhalten und zur Verkehrsmittelwahl der Bevölkerung, die seit 1991 zum 17. Mal unter der Leitung von Prof. Günter Meyer, Geographisches Institut der Universität Mainz, durchgeführt wird (Mai 2012 – Ankündigung hier)

Sicherlich kann festgestellt werden, dass in Konkurrenz zum Internet bei gleichbleibender Kaufkraft nicht unbedingt von einem Wachsen des herkömmlichen Einzelhandels auszugehen ist. Alle Quellen gehen jedoch von einem Wachstum des (zentrenrelevanten) Einkaufszentrums zum Nachteil der Innenstadt aus. Dieses Fakt kann auch die Einzelmeinung von Herrn Albig nicht ändern.

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